Was sagen die Psychowissenschaften zur Umweltproblematik? – Tagung in Trudering

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Die Frage, warum so wenig für Nachhaltigkeit und gegen Umweltschädigung getan wird, obwohl doch im Grunde alles dazu bekannt ist, beschäftigt viele Menschen. Psychologische Mechanismen tragen wesentlich dazu bei: alles zu komplex, noch zu weit weg, zu unkonkret, zu überfordernd, und vieles mehr.

Eine Tagung am Freitag, den 6.10.2017, im Kulturzentrum Trudering, möchte sich mit diesen Fragen näher beschäftigen. Namhafte Referenten wie der Ökologe Wolfgang Haber, der Psychotherapeut Wolfgang Schmidbauer oder der Psychiater Stefan Brunnhuber werden ihre Erkenntnisse dazu schildern.

Sie trägt den Titel: „Burnout von Mensch und Erde – Wie Psychologie und Psychotherapie beiden helfen können“. Es geht darum, dass trotz zahlreicher aufklärender Bücher und Berichte sowie politischer Konferenzen in den letzten Jahrzehnten die globale Umweltzerstörung nahezu ungebremst voran schreitet. Vier von neun planetaren Grenzen sind durchbrochen, das Zwei-Grad-Ziel beim bedrohlichen Klimawandel im Grunde nicht mehr haltbar, ein großes sechstes Artensterben ist im Gange. Vom Zeitalter des Anthropozän wird bereits gesprochen. Ursache ist menschliches Versagen.

Der Menschheit insbesondere in den Industrieländern geht es jedoch, zugespitzt, auch psychisch nicht gut: abhängig von fossilen Energien und moderner Technik, burnout-geplagt von den Anforderungen eines kontinuierlichen Wachstums und zu vieler Freizeit- und Konsummöglichkeiten, anpassungsgestört hinsichtlich der eingetretenen Situation, ohnmächtig-depressiv im Anblick der anstehenden Herausforderungen sowie narzisstisch gekränkt von den ökologischen Grenzen menschlichen Handelns, dennoch weiter größenwahnsinnig überzeugt von den eigenen technischen Möglichkeiten, steuert sie autodestruktiv schwierigen Zeiten entgegen.

Bisher jedoch haben in der Diskussion der ökologischen Krise die Lebenswissenschaften nur eine geringe Rolle gespielt. Dabei wird immer deutlicher, wie widersprüchlich menschliches Verhalten ist, welche Rolle etwa Emotionen und Motive dabei spielen. Ein rein rationales und mahnendes Vorgehen stößt daher an seine Grenzen. Somit stellt sich die Frage, welchen Beitrag Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie zur Bewältigung der Ökokrise leisten können.

Auch ethische Konflikte bleiben dabei nicht aus: – Ist es Aufgabe der individuellen Behandlung, auf kollektive Veränderungen einzuwirken? -Wie lässt sich ein gesünderes „Weniger ist mehr“ therapeutisch vermitteln? – Können heilsame Wirkungen von Grün trotz Naturentfremdung und Digitalisierung vermittelt werden? – Erhöht das therapeutisch erzielte bessere Befinden der Patienten u. U. sogar ein umweltschädliches Verhalten durch wieder gegebene Alltagsfunktionalität? – Und wie gehen wir mit den Sorgen der Menschen um den Zustand der Welt um?

In jedem Fall werden somit auch die „Psychodisziplinen“ über die Beschäftigung mit dem seelischen Innenleben hinaus Antworten auf die rasanten Veränderungen der Außenwelt finden müssen. Die Tagung soll einen Beitrag leisten.

Angesprochen sind psychotherapeutisch tätige Psychologen und Ärzte genauso wie weitere Interessierte, auch aus dem Umwelt- und Naturschutzbereich.

Abb. oben: Fotolia / artqu