Kommt gar nicht in die Tüte

Seit kurzem hat sich in vielen deutschen Geschäften etwas geändert. Bekam man sonst arglos und meistens ohne weitere Nachfrage des Verkaufspersonals seine Einkäufe sofort in eine Plastiktüte eingepackt und brachte dieses bisweilen durch mitgebrachte Stoffbeutel aus seiner konditionierten Routine, so wird seit dem 1. Juni 2016 nun häufig die Tüte nur noch gegen ein Entgelt von 10 bis 15 Cent ausgegeben.

Eine EU-Richtlinie verpflichtet Deutschland und die anderen Mitgliedsstaaten dazu, entweder verbindliche Reduktionsziele und/oder geeignete Preismaßnahmen einzuführen, um den Verbrauch von Plastiktüten zu reduzieren. Derzeit verbrauchen wir in Deutschland pro Kopf und Jahr 71 Plastiktüten. Im Vergleich zu den Bulgaren, die mit 421 Tüten an der EU-Spitze stehen, ist das zwar wenig. Eine Plastiktüte haben wir im Schnitt aber nur 25 Minuten im Gebrauch – es braucht jedoch 100 Jahre, bis sie verrottet. Hinzu kommt, dass nur ca. 40 Prozent der Kunststoffabfälle in Deutschland recycelt werden können und der Rest verbrannt werden muss. Viele Tonnen Plastik landen zudem in den Weltmeeren und belasten vehement das Ökosystem der Ozeane. Ausgangsstoff für die Herstellung von Kunststoffen ist meistens Erdöl. Eine fossile Energiequelle also, deren „peak oil“, d. h. Ölfördermaximum, bereits überschritten ist und die aufzugeben es sich aus Klimaschutzgründen lohnt.

Zwar hat Deutschland das durch die EU-Richtlinie vorgeschriebene Ziel von maximal 90 Tüten pro Kopf bis 2019 bereits jetzt erreicht, wird aber das 2025er-Ziel von 40 Tüten pro Kopf nicht ohne weitere Maßnahmen erreichen können. Zunächst hat der Bund auf ein Gesetz verzichtet und setzt auf eine freiwillige Selbstverpflichtung. Mit dem Handelsverband Deutschland (HDE) wurde diese jüngst ausgehandelt. 60 Prozent der deutschen Unternehmen haben diese Verpflichtung unterschrieben. Ihnen ist allerdings selbst überlassen, wie viel Geld sie für eine Tüte verlangen. Die von Umweltschutzverbänden geforderten 20 Cent pro Tüte werden häufig unterschritten unter dem Vorwand von Wettbewerbsnachteilen.

Irland, das den Gesetzesweg gewählt hat, ist es gelungen, den Plastiktütenverbrauch von 328 auf 16 Tüten pro Jahr zu reduzieren. Eine Plastiktüte kostet hier mittlerweile 44 Cent. Inwieweit nun die freiwillige Selbstverpflichtung in Deutschland ausreicht, bleibt abzuwarten. Unabhängig davon kann jede/r Einzelne etwas tun, um Plastikmüll zu vermeiden:

  • Eigene Stoff- oder Jutebeutel zum Einkaufen mitnehmen
  • Getränke in Glasflaschen kaufen
  • Papier- oder Pappschachteln verwenden
  • Pergamentpapier statt Frischhaltefolie verwenden

Veränderung stellt sich oft nur durch Verbraucherdruck ein. Daher hat Trudering im Wandel das Projekt „Verpackungsfrei“ ins Leben gerufen und möchte zur Senkung des Verpackungsaufkommens in Trudering beitragen. Zunächst ist ein Dialog mit den Gewerbetreibenden in Trudering vorgesehen, um zu ermitteln, welche Verpackungsarten in den Geschäften zum Einsatz kommen. Über weitere Schritte und Aktionen wird auf unserer Homepage berichtet.